History
 Stolperstein für Paul Kroner
Jochen Muhs

Paul Kroner, ein Vorbild
Die jüdischen Gehörlosen wurden 1933 von den Gehörlosenvereinen ausgeschlossen. 400 bis 600 jüdische Berliner Gehörlose wurden von 1933 bis 1945 von den Nazis ermordet. Der Gehörlosenverband Berlin (GVB) wählte Paul Kroner stellvertretend für alle gehörlosen Juden aus und ließ zur Erinnerung einen Stolperstein verlegen.
Paul Kroner war damals ein verdienter beliebter Mitstreiter der Gehörlosenbewegung, Mitgründer des Berliner Taubstummen-Schwimmvereins (heute Gehörlosen-Sportverein 1900 e.V. - BGSV), langjähriger Schatzmeister des BGSV und des Zentralvereins für das Wohl der Taubstummen in Berlin e.V. Er war damals in Deutschlands bekannt.
Paul Kroner war nach der Gründung Beisitzer des „Reichsverbandes der Gehörlosen Deutschlands“ (Regede), dem Vorgänger des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. Die DGZ berichtete 2001 und 2004 über Paul Kroner.

Pflasterung des Stolpersteins
Mit Spendengeldern von Gehörlosen und Sportkameraden des BGSV 1900 e.V. wurde am 29. Juli 2005 ein mit Messing beschlagener Pflasterstein zu Ehren Paul Kroners in der Lützowstraße 41 (Berlin-Tiergarten) vom Bildhauer Gunter Demnig aus Köln gepflastert. Weil in Berlin Ferien waren, verlegte der GVB die Feierstunde dazu auf den 23. September 2005.

Einweihungsfeier
Zahlreiche Gehörlose, drei Schulgruppen (gehörlos und hörend) und Vertreter der Stadt Berlin waren bei der Einweihungsfeier einen Tag vor dem Tag der Gehörlosen am 23. September zugegen. Der Vorsitzende des GVB Jochen Muhs würdigte Paul Kroner als eine große jüdische Persönlichkeit. Bis 1933 herrschte in Berlin ein gutes Miteinander der christlichen und jüdischen Gehörlosen wie Paul Kroner es bewies.
Die Schülerinnen der verschiedenen Schulen sprachen und gebärdeten über den Werdegang von Paul Kroner. Es war eine Feierlichkeit, an die viele sich lange erinnern werden.
Der Stolperstein ist die zweite Gedenkstätte der Gehörlosen in Berlin neben dem Eduard-Fürstenberg-Ehrengrab.

Sehen statt Hören
Der Bayerische Rundfunk berichtete am Gedenktag der Pogromnacht 30 Minuten lang über Paul Kroner, den Künstler Demnig, das Pogrom (Judenverfolgung) und die Einweihungsfeier. Von Demnig stammt die Idee der Stolpersteine und er pflasterte den Stein auf dem Gehsteig vor Kroners ehemaligen Wohnhaus. Das Haus wurde im Krieg zerstört und steht nicht mehr.

KoFo und Ausstellung
Im Gehörlosenzentrum referierte Jochen Muhs über das Wirken, den Werdegang und die Ermordung Paul Kroners, wo er anschließend die Ausstellung eröffnete. Manfred Knöpnadel erzählte über seinen ebenfalls gehörlosen Vater, der in Kroner´s Zahnarztpraxis in der Ausbildung war.


Fotos

Einweihungsfeier in der Lützowstraße

Schülerin liest Kroners Werdegang

Gehörlose Schülerin erläutert das Schicksal Kroners

Schlussrede von Jochen Muhs

Der Stolperstein

Schüler legen Rosen nieder

Gleis im Bahnhof Grunewald

Die Ausstellung über Paul Kroner kann auch an anderen Orten gezeigt werden.
Interessenten melden sich bitte in der Geschäftsstelle des Gehörlosenverbandes Berlin e.V.,
Friedrichstraße 12, 10969 Berlin, Fax 030-251 70 53
info@deafberlin.de, www.deafberlin.de

Sehen statt Hören: Text zur Sendung

Biographie von Paul Kroner - siehe Persönlichkeiten