Sonstiges
 Kulturfestival in Reims



Clin d´oeil 2007
Europäisches Kultur-Festival der Gehörlosen
vom 29. Juni bis 1. Juli 2007
im Centre de Congrès in Reims, Frankreich

Bericht und Fotos
von Herbert Christ

Das Festival Clin d´oeil ist ein großes kulturelles Ereignis der Gehörlosen in Europa, ca. 1500 Besucher sind Ende Juni 2007 nach Reims gekommen, in die Champagner-Stadt mit der bekannten Kathedrale. Die Stadt Reims wird übrigens wie „Champagner“ gebärdet.
Im großen, modernen Kongress-Zentrum trafen sich die Gehörlosen und Kulturfreunde aus ganz Europa und anderen Ländern. Die Eröffnungszeremonie war schon am Freitagvormittag, anschließend gab es 3 Tage volles Programm. Es wurde in 4 Besucher-Gruppen A, B, C und D eingeteilt, die einzelnen Vorstellungen jeweils zeitversetzt und übersichtlich im Programmheft angezeigt. Da die zwei Säle nicht gleichzeitig alle Zuschauer aufnehmen können.
Cirka 200 Berufs- und Laien-Künstler in verschiedenen Kunstbereichen aus ganz Europa und Russland wirkten mit. Durch die Gruppierung müssen die Theatergruppen und Schauspieler bis zu 4 mal am Tag auftreten. Ziemlich anstrengend und die Besucher merken bestenfalls nichts davon.

Die Kunstausstellung der gehörlosen Künstler in der geräumigen Langschiffhalle des Kongresszentrums zeigte Malerei, Fotografie, Skulpturen, Kunsthandwerk (Schmuck) sowie Karikaturen und Illustrationen. Aus Deutschland waren relativ viele Künstler vertreten, obwohl einige abgesagt haben.
Mir sind die professionell gemachten Fotos in großen, glänzenden Papierabzüge aufgefallen, wie die von Dieter Lorenz (aus Nähe Frankfurt/Main) oder von der Engländerin Sarah Gallagher.
Die in Bronze gegossenen Skulpturen des Franzosen Jean-Marie Curfs zeugen von hoher handwerklicher Kunst. Sogar das gesamte Fingeralphabet in einzelnen Bronze-Händen von a bis z auf einem Sockel hat er hergestellt. Der Illustrator Laurent Verlaine aus Bordeaux stellte seine neue Zeitschrift "Journal Visuel" vor, die Nachrichten aus aller Welt in einfacher Bildersprache und Gebärden darstellt.
Ebenfalls in der Halle waren zahlreiche Info- und Verkaufs-Stände, z.B. für Festival-Souvenirs wie T-Shirts und Plakate, DVDs von CineSourds und Internet- und Multimedia-Angebote von WebSourd. Ein Internet-Cafe mit 5 PC´s und Webcams durfte auch nicht fehlen und wurde rege für Video-Chats genutzt.

Für Künstler und Schauspieler, Presse-Leute und Ehrengäste wurde ein VIP-Bereich eingerichtet, daneben befand sich ein kleines, dekoriertes Studio für Interviews. Festivalleiter David de Keyzer stellte sich in zwei Pressekonferenzen den Fragen und erklärte die Ziele des Festivals.
Die Veranstalter haben sich zur Verstärkung kompetente Gehörlose aus Europa geholt. Ein Zeichen von guter internationaler Zusammenarbeit. Gunter Trube aus Berlin betreute die Theater-Künstler. Für Kinder wurden Theater-Workshops angeboten.

Die Programmteile wurden mit verschiedenen Kategorien bezeichnet: Theater, Clown, VV, Geschichte-Erzählen, Poesie und Film-Wettbewerb sowie Filme ohne Wettbewerb. VV steht für Virtual Visual oder Visual Vernacular, als neues Genre ähnlich der Gebärdensprachpoesie.
Der Veranstalter war bestrebt, neue, bisher unaufgeführte Vorstellungen darzubieten. Ausnahmsweise gab es einige Stücke, die schon aufgeführt wurden z.B. „Seven Days“ von Mainhattan/Stage, Rob Roy Show, Toys Theater.

Die französische Gruppe Act´s mit „Cowboys vs peaux rouges” (Cowboys gegen Rothäute) auf der Bühne: Zwei Männer (Pascal Pawlikowski und Radouane Sahsah) an der Schulbank unterhalten sich. Als sie einschlafen, läuft ein Film. Es sind nur ein Kopf und Hände mit weißen Handschuhe zu sehen, durch schwarze Kleidung und schwarzem Hintergrund. Sogenanntes Schwarzes Theater. Manchmal sind 4 Hände zu sehen und sogar 6 Hände, bei nur einem Gesicht. Witzig waren die blutroten Hände…

Die Brüder Grombelka
Rafael-Evitan und seine jüngerer Bruder Lars stehen in weißen Schutzoveralls im Rampenlicht. Thema sind die Probleme in der Gesellschaft und in der Welt. Sie zeigen dann einen Film über Tierversuche. Grausame Bilder und Filmausschnitte, wie Tiere gequält werden. Die Brüder verschwinden von der Bühne und der Film läuft noch lange weiter, die Zuschauer sind verwirrt. Sicherlich möchten sie nicht (nur) schockieren, sondern zum Nachdenken anregen.

Rafael-Evitan Grombelka

Lars Grombelka

Mainhattan/Stage „Seven Days“
Dieses Stück mit Jürgen Endress und Toma Kubiliute wurde schon beim DeGeTh-Festival im Oktober 2006 aufgeführt. Das gealterte Ehepaar erinnert sich im Urlaub, wo es sieben Tage lang nur regnet, an ihre Vergangenheit und erfahren so manche Geheimnisse. Die beiden Schauspieler agieren auf einem mehrstufigen Podest, zum Schlafen gehen sie in einem senkrecht stehenden Bett. Ein Film auf der Leinwand zeigt ihre Träume, ihre Zeit als Liebespaar. Besonders schön und poetisch sieht die Szene aus, als die beiden auf der höchsten Podeststufe Rücken an Rücken sich drehen und dabei gebärden. Jürgen Endress zeigt eine gute schauspielerische Leistung, seine Partnerin kann dagegen nicht mithalten, vor allem ihre Mimik zeigt Schwächen.

Toma Kubiliute und Jürgen Endress

Jürgen Endress / Toma Kubiliute

Rob Roy Show
Robert Farmer aus Australien, der z.Zt. in Frankreich weilt, zeigt seine One-Man-Show, eine Comedy über sein Leben. Viele Elemente von seinen früheren Shows hat er eingebaut, auch wenn man das schon mal gesehen hat, bleibt seine Show ein besonderer Augenschmaus. Ein Mangel war die schwache, einseitige Beleuchtung von oben, die zuviel Schatten im Gesicht erzeugt.

Robert Farmer

Robert Farmer

Isabelle Voizeux und Kheira Lamada aus Frankreich mit dem Theater-Stück „Bester Freund“ wurde im Programm als Kategorie „Clown“ angezeigt. Die beiden spielen beste Freundinnen und bekommen heraus, dass sie in denselben Mann verliebt sind. Es gibt viel zu Lachen und man merkt, dass sie sehr gute, professionelle Schauspielerinnen sind durch die sehr starke Mimik. Beide haben u.a. bei den „Vagina Monologen“ des IVT mitgewirkt.

Isabelle Voizeux und Kheira Lamada

Kheira Lamada

Am Samstagmittag stand die deutsche Theatergruppe Chamäleon auf dem Programm, sie zeigte das Stück „Die Heterophobie“ von Benedikt Feldmann. Die Mitwirkenden um Benedikt Feldmann und Rafael-Evitan Grombelka spielen lesbische Frauen, schwule Männer, Bisexuelle und „nicht normale“ Heteros, die Schwierigkeiten mit ihren „normalen“ homosexuellen Familien haben. Auffallend war, dass die Männer sehr gut die Frauenrolle übernehmen konnten. Es gab viel Beifall vor allem von jungen Leuten.






Die französische Gruppe Etablissement Rabellais besteht aus jugendlichen Akteuren, darunter eine Schwarze und kleinere Kinder. Das Bühnenbild bestand nur aus drei leeren, kunstvollen Bilderrahmen, die vorne frei aufgehängt wurden. Beim Museumsbesuch geschehen zauberhafte Dinge. Wie man sieht, sind auch Laien und junge Anfänger wie bei dieser Gruppe beim Festival dabei. Festivalleiter David de Keyzer wollte auch dem Nachwuchs, neuen Gruppen eine Chance geben, wie er im Interview erläuterte.


Das VV-Programm im kleineren Saal "Clovis"
Giuseppe Giuranna hat „Zerstören – schön?“ schon öfters aufgeführt. Trotzdem geht dieses Stück wieder unter die Haut. Es zeigt parallel zwei Leben, einer Pflanze und eines Menschen, die Umweltzerstörung und die Leiden der Menschheit. Wie man sieht, arbeitete Giuseppe weiter an diesem Stück und baute mehr Einzelheiten ein, da die Zeitbegrenzung wie beim Gebärdensprachfestival entfällt.

Giuseppe Giuranna

Giuseppe Giuranna

Art Sazachi und Sergi aus Tschechien: Die beiden erzählen die Geschichte, wie sie nach Reims gekommen sind und eine Story über den 11. September 2001. Sie sind ein eingespieltes Team, die Bewegungen und Gebärden fließen gekonnt ineinander.
Bei diesem Programm wurden die Darsteller von vorne durch eine Leuchte auf dem Bühnenboden angestrahlt, auf der nackten Betonwand im Hintergrund sieht man große Schatten der Körper und Gebärden... schöne Schattenspiele!

Sazachi und Sergi

Sazachi und Sergi

Nicola Della Maggiora von der italienischen Theatergruppe Il David aus Florenz: Der Junge ist erst 14 Jahre alt, sehr mutig für einen Solo-Auftritt. Sein Thema ist die Italienische Gebärdensprache.
Kurzfristig dazu gekommen ist Javier Guisado „Chavi“ aus Madrid mit „Fußball“. Ein rasantes Fußballspiel entpuppt sich am Ende als Kickerspiel. Der witzige Unterhalter zeigte auch mehrere Stücke außerhalb des Programms in den Hallen.

Film-Wettbewerb
Am späten Samstagnachmittag war der Film-Wettbewerb mit 15 Kurzfilme. Italien war mit 5 Filme vertreten, Frankreich mit 4 Filme, England mit zwei. Je ein Film kamen aus Norwegen, Schweden, Spanien und Deutschland. Manche Filme hatten weder die Gehörlosigkeit als Thema noch die Anwendung der Gebärdensprache. Dem Film, der nur aus Lego-Steinen und -Figuren bestand, konnten viele nichts abgewinnen. Dieser Stop-Motion-Film war aber sicherlich sehr arbeitsaufwendig.
Einige Filme waren ganz professionell hergestellt, wie „Coming Out“ von Louis Neethling aus England oder „Nilsen“ von Con Mehlum aus Norwegen. Hingegen waren ein paar Filme laienhaft, nur mit einfachen Mitteln (und wenig Geld) gedreht, hatten aber gute Ideen und witzige Inhalte.
Außergewöhnlich war der einzige deutsche Film, „Die Comiczeichnerin“ von Benedikt Feldmann, der in starkem schwarz-weißem Kontrast am Computer bearbeitet wurde. Die comic-artigen, stilisierten Sequenzen und Schnitte verleihen dem Film einen starken künstlerischen Ausdruck.
Gut war der spanische Film „Der Junge X“, am Schluss wurden Take-Outs und witzige Kommentare zugefügt, natürlich in Gebärdensprache. Bei einigen Filmen wurden französische und englische Untertitel eingeblendet, bei einigen nur französische, so dass die vielen Besucher von außerhalb Frankreich kaum etwas verstehen konnten.

Film: Die Comiczeichnerin

Beim Film „Wasser“ gab es laufend Bildstörungen, die Leinwand wurde immer wieder schwarz. Vielleicht ist eine Flasche Wasser im Technik- und Projektionsraum umgekippt…? Nur eine technische Panne. Jedenfalls haben sich die gehörlosen und hörenden Techniker hinter den meterhohen Monitortürmen sehr bemüht.
Die Leinwand im Großen Saal war etwas weit hinten auf der Bühne und ziemlich klein, so dass kein Kino-Feeling aufkommen konnte, schade! Auch die beiden oberen Leinwände rechts und links, die für die hinteren Zuschauer gedacht sind, halfen nicht viel, da die Projektionen kaum größer waren. Dies war bei den Bühnen-Auftritten mit Videobild auch so, in den hinteren Rängen war das Zuschauen sehr anstrengend. Hingegen war der Sound mit gut fühlbarem Bass prima.

Technik im Saal Royale

Am Abend wurde es spannend, die Preisverleihung des Filmwettbewerbs! Zuerst kam der Sonderpreis, der an Con Mehlum für den Film „Nilsen“ verliehen wird. Besonders die ungewöhnliche Kameraführung hat dazu beigetragen. Der Hauptpreis geht an Louis Neethling für sein „Coming Out“. Kein Wunder, der Engländer arbeitete mehrere Jahre beim Sender BCC und hat reichlich Erfahrung. Mit professioneller Technik ausgestattet war sein Film in nur einer Woche fertig.
Der Filmpreis, eine Clin d´oeil-Skulptur, wurde von einer Schönheit überreicht, deren Körper mit Motiven des Festival-Plakats bemalt wurde von dem Künstler Reiner Mertz.

Sonderpreis an Con Mehlum

Louis Neethling mit Filmpreis

Die Kurzfilme ohne Wettbewerb wurden am Sonntag gezeigt. Insgesamt 20 Filme von 2 Minuten bis zu 30 Minuten Länge. Manche dieser Filme waren so gut, dass sie am Wettbewerb teilnehmen könnten, jedenfalls besser als einige ziemlich langweilige und laienhafte Wettbewerbs-Filme.
Erstaunlich, allein 14 Filme kamen aus Frankreich. Aus Italien immerhin 4 Filme. Aus Deutschland war keine dabei. Die fünf kurzen Animationsfilme aus Frankreich wurden alle am Computer hergestellt. Die drei Geschichten von Tropty, eine 3D-Animationsfigur, waren einfallsreich und lustig, auch wenn sie mit "gehörlos" nichts zu tun hatten.

Gebärdenpoesie am Sonntag
Zwei Deutsche und zwei Italiener bildeten gemeinsam das Poesie-Programm. Auf der Bühne sind vier große, schöne Sesseln, in den die Gebärden-Poeten sitzen. Beim jeweils abwechselnden Auftritt geht einer nach vorne in den Spotlicht, schon das ist poetisch. Der Sizilianer Gabriele Caia zeigt „Das Leben eines Herzens“ und „Die Zeit der Rose“, Lucia Daniele aus Turin poesiert über „Vergangenheit“ und „Zug“. Auch Jürgen Endress ist mit seinem „Der Traum kann auch grausam sein“ dabei. Sein zweites Stück „Ein Platz ohne uns?“ ist sicherlich neu. Zum ersten Mal sehe ich den Berliner Okan Seese mit seinem „Deaf Soldier“. Insgesamt ein sehr schönes Poesie-Programm!

Theater Manu
Ganz klasse war das Theater Manu aus Norwegen. Diese Gebärdensprachtheater-Gruppe wurde 1999 gegründet und wird von Mira Zuckerman geleitet. Mit „Frankenstein´s Erbe“ sehen wir zum ersten Mal Gehörlosen-Theater im Horror-Genre. Regie führte Lars Otterstedt aus Schweden, bekannt als Schauspieler im Film „Stille Liebe“.
Ein Schauspieler vom IVT Paris, Olivier Schetrit, war für 4 Monate in Norwegen, um das Stück einzuüben. Als einer der Hauptdarsteller zeigte er eine meisterhafte Leistung. Außerdem ist er auch Kostümdesigner. Hauptdarstellerin war die türkischstämmige Ipek D. Mehlum, mit einer ebenfalls tollen Leistung.
Vor der Aufführung wurden die im Stück verwendeten Gebärden für „taub“ und „hörend“ erklärt. Statt taub oder deaf werden Gehörlose „Augenmenschen“ genannt, mit einer Gebärde für „Auge“. Hörende werden mit der „Ohr“-Gebärde bezeichnet. In die Geschichte von Frankenstein wurde der Alptraum, die Gehörlosen zu heilen und die Gebärdensprache zu verbieten, eingearbeitet.

Ipek D. Mehlum

Olivier Schetrit

Bei diesem Stück sieht man gleich, dass professionelle Schauspieler und Theaterleute am Werk waren. Das Bühnenbild mit dem funktionellen Kasten und den multimedialen Effekten war phantastisch, es erzeugte eine außergewöhnliche, geheimnisvolle Atmosphäre. Ronny Jacobsen als Monster war wirklich gruselig, durch die sagenhaft gute (oder schreckliche?) Maske. Manchmal war jedoch die Beleuchtung der Schauspieler so schwach, dass man kaum etwas verstehen konnte von der (international vorgetragenen) Gebärdensprache, zumal bei diesem Stück die beiden Leinwände dunkel blieben.
Am Schluss bekamen die Mitwirkenden viel Beifall, sogar Standing Ovations! Das einzige Mal beim ganzen Festival. Dieser Auftritt ist eindeutig der Höhepunkt des "Clin d´oeil 2007". Zuschauer drängten nach vorne, um Autogramme zu ergattern und Fotos zu machen. Sie betrachten das Monster aus nächster Nähe, lassen sich die Maske erklären und machen Nahaufnahmen. Unerschrockene lassen sich vom Monster umarmt zusammen fotografieren...

Clowns, Clowns, Clowns...
Die russische Gruppe Toys Theater passt mit ihrer Show eher in den Zirkus, bei diesem Festival war es fehl am Platz. Die über einstündige Darbietung zog sich in die Länge, man hatte genug Clownereien gesehen. Nur die Kinder in den ersten Reihen waren begeistert. Clown und Komik sind beim Festival ziemlich häufig vorgekommen, vier Clown-Gruppen sind einfach zu viel.

Clowns

Von den anderen Auftritten und Filme, die ich nicht gesehen habe, kann ich (leider) nicht berichten. Insgesamt gesehen war das Festival 2007 sehr gelungen, viele Besucher und selbst die Akteure waren begeistert. Ein großes Kompliment an die Veranstalter, Organisatoren und Mitarbeiter!

Party ohne Ende
Nach Ende des Programms jeden Tages und nachdem man in diversen Restaurants gegessen hat, ging es zur DEAF-Party. Jeden Abend im altehrwürdigen Gehörlosenzentrum in der Rue des Capucins, wo auch der Veranstalter CineSourds beheimatet ist und die Stiftung Emile Mercier. Vor dem Gebäude ist sogar die Straße abgesperrt und mit rotem Teppichboden verlegt. Die zahlreichen Leute passen nicht alle in den Saal, so dass die Partyzone auf die Straße und den Hinterhof ausgeweitet wurde.

Musik, Tanz und Unterhaltung bis 4 Uhr morgens: Deaf DJ´s und VJ´s aus England und Portugal heizen das junge Publikum ein. Gehörlose Musiker und Tänzer aus Paris, Marseille und Straßburg haben sich zusammen getan und liefern Shows am laufenden Band. Maati El Hachimi von ChanDanse spielt Percussion mit Djembe und Conga, einer spielt Schlagzeug, einer eine Bass-Gitarre. Dazu der Gebärden-Sänger Etienne Doudou, der ganz wild aber im Takt der Musik gebärdet.
Der Moderator des Abends Adamo Sayad aus Marseille macht tolle Stimmung. Mit der Gruppe tanzt er Hip-Hop mit Gebärden, dazu Breakdance. In den Pausen reißt er unablässig Witze. Ein Tausendsassa, denn er ist auch Tanzlehrer und Choreograph.
Eine Tanzgruppe aus Deutschland ist am Samstag dabei – ihr Auftritt ist im Vergleich mit den Franzosen aber trocken und nicht so locker. Eine gehörlose Schönheit macht orientalischen Bauchtanz - ohne der Musik zu folgen.
Erstaunlich: an der Cocktail-Bar mixen die bekannten gehörlosen Barkeeper aus Berlin, Daniel und Slawomir. Beim Getränkeverkauf arbeiten noch ein paar Berliner mit. Champagner fließt in Strömen. Kein Wunder bei diesem Angebot, eine ganze Flasche für nur 25,- Euro.

Das nächste Festival wird in 2 Jahren stattfinden. Ein Besuch kann ich jedem empfehlen, der sich für Gehörlosenkultur und -kunst interessiert oder dies erst kennenlernen möchte. Wer bisher nicht dabei war, sollte jedenfalls dieses Festival „mit dem Augenzwinkern“ einmal selbst erleben!


Hier noch ein paar Bilder - Impressionen vom Festival...

Festivalbesucher

Eine Französin...

Interview mit David de Keyzer

mit Louis Neethling

Applaus für Chamäleon

Publikum vor einem Auftritt

Fotos: Herbert Christ


Infos über Kongresszentrum und Gehörlosenzentrum

Alle Infos über das Kulturfestival: www.clin-doeil.eu

 



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