Kultur
 1. Internationaler Kongress der Gehörlosen in Istanbul / Türkei
vom 7. bis 12. September 2004


Bericht von Ege Karar

In der Zeit vom 7. bis 12. September 2004 fand im türkischen Istanbul der „1. Internationaler Kongress für Gehörlose“ statt. Veranstaltungsort war das 5-Sterne Hotel „Princess“, in dem sich 400 gehörlose, schwerhörige und hörende Teilnehmer aus 40 Ländern über fünf Tage hinweg zusammenfanden, um an einem bunten Programm teilzunehmen. Organisiert wurde der Kongress von dem selbst hörgeschädigten Vorsitzenden des türkischen Gehörlosenverbandes Yunus Bayraktar. Unterstützt wurde er durch Funktionäre verschiedener türkischer Behindertenverbände. Eine Zusammenarbeit mit der World Federation of the Deaf (WFD) fand nicht statt.

Nachdem ich bei der Mitgliederversammlung der „Kultur und Geschichte Gehörloser e.V.“ (KuGG) während der 2. Jahrestagung in Heidelberg als Beisitzer gewählt worden bin, fragte Helmut Vogel, Vorsitzender der KuGG, mich, ob ich interessiert sei, als Ansprechpartner mit dem Veranstalter zusammenzuarbeiten und während der Veranstaltung die Leitung der Besuchergruppe aus Deutschland zu übernehmen. Ich als in Deutschland aufgewachsener Türke musste da nicht lange überlegen und hatte selbstverständlich ein großes Interesse daran, an einem in der Türkei stattfindenden Kongress teilzunehmen. Ich beherrsche neben der deutschen auch die türkische Gebärdensprache. Als Mitglied der Gehörlosengemeinschaft und an Gehörlosenkultur interessierter Mensch war ich natürlich sofort Feuer und Flamme dabei zu sein.

Nachdem ich zugesagt hatte, erfuhr ich, dass die Anmeldefrist bereits in 1-2 Wochen ablaufen sollte. Dies war sehr kurzfristig. In aller Eile begann ich, weitere Interessenten für die Teilnahme an dem Kongress zu suchen. Wer zudem Interesse hatte, einen Vortrag zu halten, sollte das Thema seines Referates einreichen. Ausgewählt wurden zwei deutsche Referenten, Renate Dorn und ich.
Erstaunlicherweise wurden fast alle Vorträge des fünftägigen Veranstaltungsprogramms von hörenden Referenten gehalten. Es erscheint uns die Zahl von nur vier gehörlosen Referenten als doch enttäuschend gering. Laut Programm stand der medizinische Aspekt stark im Vordergrund.

Die hervorragende Organisation des Kongress war bereits am Zielflughafen zu spüren. Busse standen bereit und brachten die Ankommenden zum Veranstaltungsort. Unter den Teilnehmern aus 40 Ländern war augenscheinlich der asiatische Kontinent, darunter viele Gehörlose aus islamischen Ländern, am stärksten vertreten. Aus Amerika waren 5 oder 6 Teilnehmer mit ihrem Dolmetscher angereist. Europa hingegen war nur schwach vertreten. Wir Deutschen waren eine Gruppe von 12 hörenden und gehörlosen Teilnehmern und Referenten.

Vorträge

Die ausgestellten Werke gehörloser Künstler luden zum Anschauen ein. Dazu gab es Stände, an denen über technische Hilfsmittel, wie Hörgeräte, CI usw. informiert wurde. Es gab ein Lexikon für arabische Gebärdensprache in Form einer CD-ROM, ein türkisches Beratungsangebot für Familien mit gehörlosen Kindern und vieles weitere mehr. Außerdem wurden Workshops angeboten, in denen die Teilnehmer Gelegenheit hatten, sich zu ausgewählten die Gehörlosengemeinschaft betreffenden Themen auszutauschen.
Jeder bekam die Tagungsunterlagen in eine schöne Tasche. Eröffnet wurde der Kongress mit einem Auftritt türkischer Folklore von türkischen Gehörlosen, was umgehend dazu führte, dass viele vorhandene Fotoapparate und Videokameras eingesetzt wurden und die Zuschauer sichtlich begeisterte. Offensichtlich bot die kulturelle Einlage für die Anwesenden etwas völlig Neues und Unbekanntes und wurde begeistert aufgenommen.

Es begannen im Anschluss zahlreiche Vorträge zu den Themenbereichen. Die Themenbereiche medizinische Rehabilitation wie das Cochlear Implantat, der Bereich der Audiologie waren Hauptthemen. Es geht um den Fortschritt in der Entwicklung technischer Hilfsmittel, um die Situationen der Kinder und Jugendlicher sowie altersschwerhöriger Menschen. Jedoch wurde immer die Gebärdensprache berücksichtigt und zum Ausdruck gebracht, dass beide Sprachen wichtig sind. Die Benutzung beider Sprachen wurde auch für ein mit einem CI versorgten Kind befürwortet. Die meisten Vortragenden plädierten doch für den parallelen Einsatz von Laut- und Gebärdensprache im erzieherischen Bereichen, sprich: den bilinguale Ansatz.

Während des Kongresses wurde in die deutsche Gebärdensprache (DGS), die türkische Gebärdensprache, die amerikanische Gebärdensprache (ASL) und die arabische Gebärdensprache gedolmetscht. Für deutsche Gebärdensprache war Sema Cagla aus Hamburg, der an der dortigen Universität das Studium zur Gebärdensprachdolmetscherin durchläuft. Da sie die türkische Lautsprache kann, wurde sie für die Aufgabe gewonnen, auf diesem Kongress für uns in DGS zu dolmetschen. Für sie war es eine ganz neue Erfahrung, aus dem Türkischen zu dolmetschen. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten meisterte sie die Herausforderung sehr gut.
Während den Vorträgen hatte ich Gelegenheit, die drei dargebotenen Gebärdensprachen vergleichend zu betrachten. Die arabische Gebärdensprache möchte ich an dieser Stelle herausnehmen, da ich ihrer nicht mächtig bin. Ich fand es sehr spannend zu beobachten, wie die Dolmetscher in drei verschiedenen Sprachen die Inhalte auf unterschiedliche Arten darstellten und in welcher zeitlichen Abfolge die Inhalte bei den Dolmetschern auftauchten. Trotz der unterschiedlichen Darstellung der Inhalte hatte ich den Eindruck, dass, egal in welcher Sprache, ich inhaltlich folgen konnte. Das war eine interessante Erfahrung für mich, zumal aufgrund der visuellen Wahrnehmung nur Gebärdensprachkundigen möglich ist. Ein hörender Teilnehmer wird schließlich kaum in der Lage sein, drei lautsprachliche Übersetzungen zu folgen, um einen Vergleich anstellen zu können.

Im folgenden ging es um die Bildungssituation Gehörloser, die Gehörlosenkultur und das soziale Leben Gehörloser und um den türkischen Sportverband.
Am Nachmittag begannen die Referate der vier gehörlosen Vortragenden. Den ersten Vortrag hielt Mahar Abu Kader aus Jordanien, sein Thema war die schriftsprachliche Bildung gehörloser Kinder. Auch in seinem Vortrag ging es um die Frage, in wieweit die Gebärdensprache in der schulischen Bildung gehörloser Kinder Eingang finden soll und ob lautsprachbegleitende Gebärden die bessere Alternative darstellen. Tenor seines Vortrages war die Forderung nach gebärdensprachlicher Förderung gehörloser Kinder, auch im türkischen Bildungssystem, um den Kindern inhaltliches Verständnis zu ermöglichen und ihnen Gelegenheit zu geben, eigene Argumente vortragen zu können. Und das sei durch die Nutzung der Gebärdensprache besser möglich als durch lautsprachbegleitende Gebärden, so Mahar Abu Khaber.

diverse Dolmetscher

Den zweiten Vortrag hielt ich selbst. Der Titel meines Vortrages war „Die Kommunikation zwischen den Religionen“. Inhaltlich bezog ich mich auf den Austausch zwischen Menschen über ihre Religion, allerdings mit dem Focus auf den Austausch zwischen hörenden und gehörlosen Menschen. Ich habe die Auseinandersetzungen und Gefahren der Missverständnisse und des aneinander Vorbeiredens thematisiert. Der große Wunsch ist, dass Muslime, Christen und Juden in Frieden, Toleranz und Liebe leben. Dazu ist die Rückbesinnung an die gemeinsamen Wurzeln der Religion des „Vater Abrahams“ von großer Bedeutung: Der Wunsch des Menschen zur Ergebung zu Gott mit Geist, Seele und dem physischen Körper.

Einen weiteren Vortrag hielt Hasan Dikyuva aus Istanbul, der in Nijmegen/Niederlande Linguistik studiert. Er bezog sich in seinem Vortrag auf den linguistischen Bereich und wies auf grammatikalische Unterschiede zwischen Laut- und Gebärdensprache hin. Sein Ziel ist es, nach absolviertem Studium auf der Basis seiner linguistischen Kenntnisse und der Kompetenz in der türkischen Gebärdensprache (TID) ein Konzept für Gebärdensprachkurse zu entwickeln. Ein Konzept für einen ersten Kurs in türkischer Gebärdensprache (TID I) wurde vor nicht allzu langer Zeit bereits vorgestellt. Vor erst einem Monat begann man in der Türkei mit der Durchführung eines ersten Gebärdensprachkurses. Hasans Ziel ist es, ein Konzept für weiterführende Kurse zu entwickeln. In der Türkei ist derzeit eine Bewegung zu erkennen, wie sie sich in unserem Land schon vor zehn Jahren vollzogen hat: Die Gehörlosen beginnen mit erwachendem Selbstbewusstsein, sich ihrer eigenen Sprache bewusst zu werden. Es ist schön, dass die Bedeutung dieses Unterfangens den jüngeren Gehörlosen sehr bewusst ist und sie sich engagieren, was jedoch bei der älteren Generation in der Form noch nicht der Fall ist.

Renate Dorn, eine Gehörlose aus Hamburg, stellte in ihrem Vortrag die Situation bilingualer, bikultureller Familien (hörender Kinder gehörloser Eltern und umgekehrt) und deren Leben in zwei Welten dar. Sie ging insbesondere auf die Kommunikationssituation dieser Familien ein. Wenn es sich um die Konstellation hörendes Kind gehörloser Eltern handelt, stellt sich schnell die Frage, ob das Kind als Kommunikationsmittler dienen soll und darf. Renate Dorn stellte heraus, wie wichtig es ist, Kindern Zeit und Freiraum zu geben, Kind sein zu können. Daher ist es dringend nötig, professionelle Fachleute, wie beispielsweise einen Sozialarbeiter oder einen Dolmetscher, einzubinden. Zum Beispiel dann wenn es die Kommunikation mit der hörenden Welt betrifft. Kinder sollten also weder am Telefon noch beim Arzt zum Dolmetschen herangezogen werden.
Renate Dorn zeigte mit ihrem Vortrag Elemente der deutschen Gehörlosenkultur mit der ihr eigenen Verhaltens- und Kommunikationssituation auf.

Ich möchte noch einmal auf die Dolmetschsituation zurückkommen, denn interessant war auch die Verdolmetschung ihres Vortrages. Während Renate ihre Inhalte in deutscher Gebärdensprache präsentierte, war ich als Relaisdolmetscher tätig und übertrug den Vortrag in die türkische Gebärdensprache. Ein weiterer hörender Dolmetscher übersetzte von dort in die türkische Lautsprache. Im hinteren Teil des Raumes befand sich eine Dolmetscherkabine mit Lautsprachdolmetschern, die die Übersetzung in die englische und arabische Lautsprache hervorbrachten, die wiederum auf der Bühne von zwei weiteren Gebärdensprachdolmetscher am Ende der Sprachkette aufgenommen wurden: sie bezogen ihr Input über Kopfhörer aus der Dolmetscherkabine und übertrugen die Inhalte in die arabische und die amerikanische Gebärdensprache. Damit es auch Ihnen beim Lesen klar wird, von der Ausgangssprache DGS, über zunächst türkische Gebärden-, dann türkische Lautsprache, weiter über die Simultanlautsprachdolmetscher in ihren Kabinen mit der englischen bzw. arabischen Lautsprachversion zur Bühne und der dort erfolgenden Verdolmetschung in die arabische Gebärdensprache und ASL. Es lief hervorragend. Renate Dorn und ich bekamen wirklich Gänsehaut, da wir Teil dieser Kette waren, die es allen Teilnehmern ermöglichte, dem Vortrag beizuwohnen. Es war das erste Mal, dass ich die Funktion eines Relaisdolmetschers übernommen habe. Ich habe das natürlich nicht gelernt, und es war eine neue Erfahrung für mich, so ohne irgendeine Ausbildung und ohne Vorerfahrung auf die Bühne zu klettern. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld mit Renate intensiv besprochen und wir hatten vereinbart, dass ich in konsekutiver Form dolmetschte. Renate gebärdete je drei, vier Sätze, die ich in die türkische Gebärdensprache übersetzte. Mehr überstieg meine Gedächtniskapazität. Zudem bemühte ich mich darum, in der Zielsprache möglichst bildhaft zu formulieren, um den „Zuhörern“ ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Ich konnte feststellen, dass die Tätigkeit des Dolmetschers nicht so einfach ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, was man, so vermute ich, auch auf die Situation der Lautsprachdolmetscher übertragen kann. Insbesondere über einen längeren Zeitraum hinweg während des simultanen Dolmetschens die Gedächtnisleistung aufrechtzuerhalten stelle ich mir sehr anstrengend vor. Aber es hat mir viel Spaß gemacht!

Skizze Dolmetschen

Leider kam es nach den Vorträgen der vier gehörlosen Teilnehmer aufgrund der zeitlichen Begrenzung zu keinerlei Diskussion mehr, da die nächsten Vorträge direkt folgten. Das war sehr schade und auch enttäuschend für mich, da ich brennend an einem Austausch im Plenum interessiert war. Wir sollten jedoch am Abend noch Zeit und Gelegenheit haben, mit Teilnehmern des Kongresses ins Gespräch zu kommen.

Die türkischen Gehörlosen, mit denen wir wie erwähnt am Abend ins Gespräch kamen, äußerten sich interessiert an dem Angebot, dass den Gehörlosen in Deutschland zur Verfügung steht, wie sie es aus Renates Vortrag erfahren hatten. Sie stellten jedoch auch sehr schnell fest, dass sich die türkische Kultur sehr stark von der deutschen unterschied und es daher in ihrem Land ganz andere Lösungen gebe. Die Familie stelle einen wichtigen Wert in der türkischen Gesellschaft dar. So seien es die Verwandten, die den gehörlosen Familienmitgliedern bei Problemen und Schwierigkeiten hilfreich unter die Arme greifen. So müsse nicht das hörende Kind zum Telefonhörer greifen, wenn die Eltern gehörlos seien, sondern ein Mitglied der großen türkischen Familie sei meist zur Stelle. Daher sei es die Ausnahme, dass das Kind zum Dolmetschen herangezogen werde. Im Übrigen seien mit der Familie als Unterstützung auch keine Anträge, kein Gang zum Sozialamt nötig. In der Großfamilie sei eben immer jemand zur Stelle, der hilfreich unter die Arme greife. So hat sich in der Türkei ein ganz anderes Hilfssystem entwickelt im Einklang mit einer anderen Kultur. Es kann aber auch manchmal entmündigend sein. Als Folge schauen die Gehörlosen auf die Hörenden, die eben immer mehr können, herauf und trauen sich wenig zu.

Auch der Islam war ein Thema der Diskussionen am Abend. Der Austausch mit Gehörlosen aus anderen Ländern wie beispielsweise Kuwait, Saudi-Arabien und Pakistan war für mich ausgiebig, denn als in Deutschland aufgewachsener Moslem habe ich in der Regel nur sehr selten Gelegenheit, mich mit anderen Gehörlosen über meinen Glauben auszutauschen. Hier nun bot sich reiche Gelegenheit mit Menschen gleichen Glaubens zu diskutieren, Menschen, mit denen mich trotz unterschiedlicher Sozialisation sehr viel verbindet. Neben diesen reichen Erfahrungen konnte ich auch einige neue Gebärden dieses Themenkreises mit nach Hause nehmen.

In den großen Pausen während den Vorträgen gab es eine Sitzung vom Islamic Deaf Union (IDU). Wir (darunter Amerikaner, Grieche und die anderen) hatten die Idee, einen Verein zu gründen, der in Zukunft auch einen festen Sitz bekommen soll. Dieser wurde allerdings noch nicht gefunden. Ziel diese Vereins soll es sein, islamischen Kindern und Erwachsenen einen Ort der Begegnung zur Verfügung zu stellen, an dem sie sich austauschen können, an dem es ein Beratungsangebot in Erziehungsfragen geben soll, sowie weitere Fortbildungsangebote in Form von Seminaren und Workshops. Gehörlose Muslime aus verschiedenen Ländern sollen hier die Möglichkeit bekommen, miteinander in Kontakt zu treten, wie es auch auf diesem Kongress geschehen konnte. Gemeinsam kamen wir zu der Entscheidung, dass es dafür eine feste Institution geben soll. Zur Umsetzung soll es schon bald kommen. Sehr lange wurden Ziele, Konzeption und Finanzierungsmöglichkeiten des Vereins diskutiert. Es soll nun wirklich in naher Zukunft ein Ort der Begegnung entstehen, an dem Hörende und Gehörlose, Muslime und Menschen anderen Glaubens, Erwachsene und Kinder Gelegenheit zum Austausch haben. Das ist ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.

Im Abendprogramm wurde unter anderem ein deutscher Stummfilm „Charles Chaplin“, der als ein Schulprojekt in der Gehörlosenschule aus Stegen gemacht wurde, gezeigt. Nach dem Film waren viele aufgrund der altertümlichen technischen Wege erstaunlich und gaben positives Feedback. Es war nur schade, dass der Hauptdarsteller, der eigentlich anwesend sein sollte, erkrankt war und den Erfolg nicht miterleben konnte.
Eine russische Theatergruppe bestehend aus gehörlosen Schauspielern bot eine Komödie zum Besten, und wir konnten uns herrlich amüsieren. Insbesondere nach einem anstrengenden Tag voller anspruchsvoller Vorträge boten die künstlerischen Auftritte eine willkommene Abwechslung und Erholung.
Im Gegensatz zur kurzen Darstellung der russischen Gruppe folgte im Anschluss eine längere und sehr gefühlsbetonte Präsentation einer türkischen Theatergruppe mit ebenfalls gehörlosen Darstellern. Es machte den Eindruck, als sei ein typischer türkischer Film übertragen worden in ein Theaterstück mit gehörlosen Schauspielern. Viele Zuschauer waren ergriffen.

Gehörlose Folklore

Am Galaabend, der sehr elegant ausgerichtet war, trat die gehörlose bulgarische Tanzgruppe minderjährige und halbnackte Kinder. Eine arabische Gruppe von Männern und Frauen, die zumeist mit Kopftüchern bekleidet waren, schauten dem Ganzen eine ganze Weile zu. Irgendwann entfernten sich die Männer und meine Erwartung war, dass die Frauen sie begleiten würden. Zu meinem Erstaunen aber blieben sie und beobachteten weiter die Gruppe tanzender Bulgaren.
An den Organisator wurden viele Dankes-Geschenke überreicht. Auch wir, als deutsche Gruppe hatten uns im Vorfeld schon etwas überlegt. Wir versprachen ihm eine CD-ROM, mit Filmaufnahmen der 2. Jahrestagung des Vereins „Kultur und Geschichte Gehörloser“, die am 4. und 5. Juni 2004 in Heidelberg stattgefunden hat.
Am letzten Tag gab es eine Schifffahrt über den Bosporus, der die Kontinente Asien und Europa trennt. Wir fuhren zwei gigantische Brücken, die die beiden Kontinente verbindet. Dann endete der Kongress mit dem Transfer zum Flughafen und der Rückreise.

Fazit
Zum einen war es der Eindruck, den die türkische Mentalität bei mir hinterließ. Die ordentliche Kleidung der Teilnehmer war eines der äußerlichen Zeichen dafür. Die Männer trugen Anzug und Krawatte. Das sieht bei europäischen Kongressen dieser Art schon anders aus und da erscheint man eher informell gekleidet.
Auch die hervorragende Organisation fiel mir positiv auf. Sei es, dass bereits am Flughafen für den Transport für uns zum Hotel gesorgt war, dass ein 5 Sterne-Hotel mit Schwimmbad, türkischem Bad und hervorragendem Essen für uns gebucht waren. Die Feiern am Abend, das Rahmenprogramm, der Galaabend und die Schifffahrt waren weitere Höhepunkte. Und es wurde uns, anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen, die ich bereits besucht habe, alles kostenlos zur Verfügung gestellt. Unglaublich! Es war ein tolles Erlebnis für uns.

Damit endet mein Bericht vom ersten internationalen Kongress der Gehörlosen in Istanbul und ich hoffe sehr, dass es einen zweiten Kongress geben wird, vielleicht noch mal am gleichen Ort. Schön wäre es, wenn die Themen dann nicht wieder so stark von der hörenden Mehrheit dominiert wären und es mehr gehörlose Referenten geben würde, so wie auch das Rahmenprogramm schon in diesem Jahr von Gehörlosen gestaltet war. Das wäre wünschenswert. Ich bin zuversichtlich, dass es eine positive Entwicklung der Gehörlosengemeinschaft, der Gebärdensprache und somit der Akzeptanz Gehörloser in der Türkei geben wird.

Ege Karar

Info zum Kongress - Offizielle Website

Ege Karar und Renate Dorn
Ege Karar und Renate Dorn

Word-Dokument Bericht als PDF-Dokument

zu vorherige Seite